Von Industrie 4.0 hast Du sicher schon gehört, auch dass dieser Begriff mit dem weiteren Ausbau der Digitalisierung der industriellen Produktion zu tun hat. Handwerk 4.0 ist der neue Begriff, mit dem die unter Industrie 4.0 angestossenen Ideen zur Weiterführung der Digitalisierung in das deutsche Handwerk überführt werden sollen.

Rund um diese Bezeichnung ist mächtig was los, es geht ja immerhin um die Digitalisierung des „Rückgrats des deutschen Mittelstandes“: Mehr als eine Million Handwerksbetriebe arbeiten zur Zeit in Deutschland, sie beschäftigen 5,3 Millionen Menschen und bilden gut ein Viertel aller Auszubildenden in über 140 verschiedenen Berufen aus.

Was heißt eigentlich „Industrie 4.0“?

Der Begriff Handwerk 4.0 wurde aus der Bezeichnung „Industrie 4.0“ gebildet, die wiederum aus dem Web 4.0 entstand, das seinen Namen von Software-Entwicklern bekommen hat. Von dort ist auch das „.0“ hängengeblieben, Software-Version 1.1, 1.2 bis 1.x; die erste Version, die wirkliche Neuerungen brachte, war dann eben 2.0.

Die Zahl vor der Null steht in all diesen Benennungen für den gleichen (vergleichbaren) Entwicklungsschritt:

1 ist der Anfang, Industrie 1.0 oder erste industrielle Revolution (Arbeits-Mechanisierung durch Wasser- und Dampfkraft). Die zweite industrielle Revolution brachte die Massenfertigung (Elektrik, Fließbänder), die dritte industrielle Revolution war schon die erste digitale Revolution: IT und Elektronik, bald schon im Einsatz in vielen Industrie-Branchen, die Produktion wird immer mehr automatisiert.

Industrie 4.0 bezeichnet das Vorhaben, in einer vierten industrielle Revolution die industrielle Produktion umfassend zu digitalisieren, damit sie besser für die Zukunft gerüstet ist.

Glasbläser

Stattliche 68,8 % der Handwerksbetriebe nutzen bereits heute Digital-Angebote, haben Websites und Social-Media-Kanäle, arbeiten mit diversen Software-Lösungen, Cloud-Speichern und anderen Online-Plattformen und sparen damit nachweisbar Kosten und Zeit. (Foto: Free-Photos / pixabay.com)

Hinter dem Zukunftsprojekt stehen Forschungsplattformen (mit Forschungsunion und Hightech-Projekt der Bundesregierung) und viele weitere Akteure. Vorgesehen ist Digitalisierung der industriellen Produktion im größtmöglichem Umfang, bis Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus digital begleitet und unterstützt werden.

Genau lassen sich noch nicht einmal die vergangenheitsbezogenen Begriffe 1.0, 2.0, 3.0 umreißen, obwohl sie erst aus der Rückschau auf das historische Geschehen gebildet wurden.

Der in die Zukunft gerichtete Begriff 4.0 ist naturgemäß noch unschärfer; hier setzt auch die Kritik an: „4.0“ solle durch den Bezug auf Revolutionen nur die Bedeutung ohnehin anstehender Veränderungen erhöhen, durch Namen lasse sich aber keine Revolution schaffen. Der künftig selbstverständlich zunehmende Einsatz von Digitaltechnik könne auch einfach „zweite Phase der Digitalisierung“ genannt werden.

Was ist mit Handwerk 4.0 gemeint?

Mit dem Begriff Handwerk 4.0 ist in etwa das Gleiche gemeint, was sich schon bei Industrie 4.0 nicht ganz genau fassen lässt: Handwerk 4.0 bezeichnet ein Konzept, mit dem das deutsche Handwerk auf dem Weg in die digitale Zukunft unterstützt und gefördert werden soll.

Auf das Handwerk bezogen ist die Bezeichnung 4.0 nur noch ein bisschen unglücklicher gewählt – das Handwerk wurde nicht mit der Dampfmaschine, dem Fließband oder dem ersten Computer „erfunden“, sondern blickt auf eine Jahrhunderte oder noch sehr viel längere Geschichte zurück, je nachdem, ob man historisch bei der Benutzung des ersten Werkzeugs oder bei den mittelalterlichen Zünften ansetzt.

Seitdem passt sich das Handwerk an und entwickelt sich fort; aktuell beweist die Branche durch einen jährlicher Umsatz von gut 500 Milliarden Euro, wie gut sie fähig ist, sich wechselnden Anforderungen anzupassen und dabei auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Auch in Sachen Digitalisierung: Es gibt längst innovative Handwerksunternehmen, die die Digitalisierung als Chance zur Weiterentwickelung nutzen.

Stattliche 68,8 % der Handwerksbetriebe nutzen bereits heute Digital-Angebote, haben Websites und Social-Media-Kanäle, arbeiten mit diversen Software-Lösungen, Cloud-Speichern und anderen Online-Plattformen und sparen damit nachweisbar Kosten und Zeit. Etwa ein Drittel der HandwerkerInnen ist bereits damit beschäftigt, den Anteil internetbasierter Dienstnutzung und Dienstleistung auszubauen – ganz egal, ob das nun Handwerk 4.0 genannt wird oder nicht.

Allerdings verbreitet sich die deutsche Wortschöpfung „Industrie 4.0“ bereits über die Welt und wird in weitere Wirtschaftsbereiche wie Medizin 4.0 übernommen, was ja auch wieder eine eigene wirtschaftliche Komponente hat.

Welche Chancen und Risiken gibt es für das Handwerk in Zukunft?

Chancen auf Verbesserungen durch Digitalisierung im Rahmen des „Handwerks 4.0“ werden vor allem auf folgenden Gebieten gesehen:

Vernetzung mit Industrie-Zulieferern, Zusammenführung von Produktionsketten, bis Auftraggeber Bestelldaten direkt ins Produktionssystem senden können (mit der Folge, dass die Grenzen zwischen Handwerks-Betrieb und Zuliefer-Betrieb verschwimmen, bewährte Abläufe/Geschäftsmodelle neu definiert werden müssen, die damit verbundenen Risiken müssen vorher geprüft und bewertet werden).

Schaffung neuer Verfahren/Technologien, die Handwerks-Betrieben mehr Individualisierung ihrer Produkte ermöglichen, Arbeitsprozesse schlanker gestalten, individuelle Kreativität und Problemlösungskompetenz steigern.

Effizientere Gestaltung diverser Geschäftsprozesse bis zur perfekten Verwaltung mit wenig Personal.

Einrichtung von Heimarbeitsplätzen (Rücksicht auf gesellschaftliche Bedürfnisse, Abmilderung der zu erwartenden Auswirkungen des demografischen Wandels).

Individualisierung der Arbeitsplätze, gesundheitsorientierte Ausgestaltung aller Betriebsbereiche als große Chance für viele Handwerksbetriebe.

Verbesserte Kundenansprache, an den Bedarf angepasstes Marketing mit facettenreichen Möglichkeiten.

Durch geografische Erweiterung und verändertes Informationsverhalten sollen mehr Verbraucher erreicht werden können.

Die steigenden Kundenbedürfnisse sollen mit den Lösungen des Handwerks 4.0 besser befriedigt werden können.

Für Handwerksunternehmen soll es leichter werden, sich mit einfachen Mitteln weltweit zu präsentieren.

Voraussetzung für all das ist hohe Sicherheit der Daten und der Übertragungswege. Umfassender Datenschutz muss gewährleistet werden, Zugriffe auf Kalkulations- und/oder Produktionsdaten müssen durch vorgeschaltete Abwägungsprozesse und eindeutige Vereinbarungen gesichert werden.

Auch und gerade weil Handwerk 4.0 auf Industrie 4.0 zurückgeht, ist es durchaus angebracht, zu fragen, wann denn all diese Neuerungen des Handwerk 4.0 zu erwarten sein sollen

Das SmartHome z. B. war 2007 auf der CeBit das große Thema (mit einer ganzen Halle „Digitales Wohnzimmer“); die ersten realen, halbwegs digitalen Wohnzimmer waren erst 2017 bei Technik-Freaks zu bewundern.

Bildquelle: unsplash.com / Fancycrave

Bewerte diesen Artikel


39 Bewertung(en), Durchschnitt: 4,49 von 5